Corona Training für Schulen und Bildungseinrichtungen

Wegen der zahlreichen Anfragen zum Thema Corona und digitale Bildung entwickelt @DUCA zusammen mit Frolleinflow ein interaktives Training für Schulen und Bildungseinrichtungen. Die zwei Module zu den Themen digitale Organisation und digitale Lehre geben eine erste Orientierung zu wichtigen Fragen. Lernen Sie, wie es funktioniert und kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie weitere Fragen haben!

Virtual on the job

Teil I: Digitale Organisation und Verwaltung

Wie organisiere und verwalte ich meine Bildungseinrichtung in Zeiten von Homeoffice und Schulschließung?
Videoversion: https://www.youtube.com/watch?v=yqKeqO6SpwI

Teil II: Digitale Lehre

Wie kann ich meine Lernenden und Kollegen trotz der Distanz erreichen und sie unterstützen?
Videoversion: https://www.youtube.com/watch?v=7AxWwj3nvfY

Transkription

Corona Training für Schulen und Bildungseinrichtungen

Die Corona Krise hat uns alle unerwartet getroffen. Nun stehen natürlich viele Schulen und
Lehrkräfte vor dem Problem, ad hoc eine Lösung für die digitale Verwaltung und Lehre aus
dem Hut zu zaubern. Wie man Schule und Unterricht digital organisieren kann, das ist der Inhalt
dieses zweiteiligen Trainings. Im ersten Teil geht es um digitale Organisation und Verwaltung
von Schule, im zweiten Teil lernen Sie, wie digitale Lehre funktionieren kann.

Teil I: Digitale Organisation und Verwaltung 

 

Die Lage der Nation 
Wenn Sie Ihre Schule auf Fernunterricht umstellen, bedenken Sie zunächst, dass die
Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 zyklisch verlaufen können. Planen Sie also
langfristig. Wir müssen davon ausgehen, dass Distanzunterricht und Präsenzlehre sich
möglicherweise in Zeiträumen von 4 bis 8 Wochen abwechseln! Diese Arbeit ist aber nicht
umsonst. Später lassen sich diese Lernformen verschmelzen und erleichtern dann vieles im
Schulbetrieb.

Gehen Sie bei der Planung pragmatisch und unideologisch vor. Es gibt momentan keine
perfekte Lösung, wir alle sitzen im selben Boot und müssen zunächst etwas experimentieren,
bevor sich eine langfristige Lösung etabliert. Also, gehen Sie kleine Schritte und wenn etwas
gut funktioniert, dann schreiten Sie voran. Bedenken Sie: Es gibt keine Blaupause, sondern jede
Bildungseinrichtung kann eine andere Strategie wählen.

Zentrale Anlaufstelle

Der wichtigste Schritt zu Beginn: schaffen Sie eine zentrale Anlaufstelle. Das kann ein Wiki,
die Schulhomepage oder ein Padlet, also eine digitale Pinnwand sein. Nutzen Sie möglichst das,
was sie bereits haben und organisieren Sie alle wichtigen Informationen an einem zentralen Ort.
Es braucht heutzutage nicht unbedingt ein klassisches Lernmanagement-System. Man kann dies
auch anders aufsetzen.

 

Man sollte die Struktur einer Schule von der Leitung bis hinunter auf die Kursebene in einer
Übersicht abbilden und jeden Ort mit einem Link versehen, der direkt zum Ziel führt. Diese
Informationen sollten auf der Anlaufstelle prominent platziert werden. Am besten lassen Sie
fünf L&L testen, ob sie alle für sie relevanten Infos auf der Anlaufstelle finden. Bedenken Sie,
dass nicht jeder Schüler einen Computer, i.d.R. aber wohl ein Smartphone hat. Die
Informationen und auch Ihre Kursinhalte sollten also mobil gut dargestellt werden. Das mobile
Datenvolumen ist meist sehr begrenzt – nutzen Sie also kleine Dateien.        

Fragen Sie auch Ihre Lehrenden und Lernenden, wie der Ablauf der Kurse, die Sprechzeiten
und der Austausch untereinander funktionieren können. Jetzt ist die Zeit, Synergien zu schaffen,
um gemeinsam effizienter zu arbeiten. 

Kommunikation
Auch bei der Kommunikation in der Verwaltung gilt: nutzen Sie, was bereits bekannt ist. E-
Mails mit aktualisierten Dokumenten eignen sich nicht für eine dynamische Kommunikation,
besser arbeiten Sie mit einer digitalen Pinnwand oder einem online Dokument, das Sie in
Echtzeit bearbeiten können. Lassen Sie Ihre Infos immer über den selben Kanal kommen!

Einen Arbeitsprozess kann man gut synchron, also per Video- oder Audiokonferenz mit Zoom
oder Jitsi oder einer Messenger-Gruppe anstoßen. Danach sollten die Aufgaben dann aber
asynchron, also zeitversetzt abgearbeitet werden. Langfristig können Sie eine Lösung wie
WordPress oder Nextcloud, Moodle oder wenn zugelassen auch Google for Education oder
MS-Teams zur Kommunikation verwenden.
 

Finanzierung
Grundsätzlich gilt, dass die digitale Organisation von Schule nicht teuer sein muss. Vergleichen
Sie Angebote für Software oder Cloudlösungen und achten Sie darauf, dass bestimmte
Angebote nur vorübergehend kostenlos sind. Wenn Lehrkräfte über einen kostenpflichtigen Messenger oder eine Software mit ihren Schülern Kontakt halten, kommunizieren Sie diese Mehrkosten mit den Eltern. Der Förderverein ist für kleinere Investitionen eine
gute Anlaufstelle. 

Das Akquirieren von staatlichen Fördermitteln, z.B. aus dem Digitalpakt, ist leider komplex.
Allerdings ändern sich wegen der Krise zur Zeit die Bestimmungen. Vielleicht können Sie
demnächst mehr als nur Endgeräte beantragen, es lohnt sich auf jeden Fall, hier auf dem Laufenden zu bleiben. 

Datenschutz

Je nach Bundesland bestehen verschiedene rechtliche Grundlagen für den Umgang mit digitalen
Daten. Wichtig ist, dass erstmal keine personenbezogenen Daten abhanden kommen oder
öffentlich sichtbar werden, also z.B. Klarnamen und Prüfungsergebnisse von Schülern. Wenn nötig
können Sie Teilnehmer mit Kürzeln anonymisieren. Momentan öffnen sich hier einige Türen, so ist z.B. MS Teams nun in einigen Bundesländern erlaubt.

Ein Open Source Programm mit Daten auf dem eigenen Server ist nicht per se „sicherer“ als
eine externe Lösung. Und proprietäre, also private Angebote können durchaus
datenschutzkonform sein. Wenn Sie Zweifel haben, ob Ihre Idee rechtlich unbedenklich ist,
googeln Sie den Namen der Software mit dem Zusatz „DSGVO konform“ und sprechen Sie
mit Ihrem Datenschutzbeauftragten. 

Teil 2: Digitale Lehre 

Seien wir mal ehrlich. Wer hätte gedacht, dass sich in so kurzer Zeit so viel an einer Schule
ändern kann? Als Lehrkraft muss man im Moment tatsächlich kräftig sein und auch einiges
selbst neu lernen. Aber: bleiben Sie gefasst! Mit der richtigen Anleitung schaffen Sie das! Es
geht erstmal gar nicht um Tools oder Methoden, sondern um die Beziehung, die sie mit Ihren
Lernenden unterhalten.

Im Digitalen ist weniger oft mehr und langfristig können Sie sich mit digitalen Mitteln sogar
Arbeit in Ihrem Präsenzunterricht sparen. Machen Sie sich bewusst, dass es den Kollegen und
Mitarbeitern ähnlich geht wie Ihnen selbst und das am Ende alle nur mit Wasser kochen.
 
Kommunikation mit L&L

Als Grundsatz für die Kommunikation mit Lernenden und Kollegen gilt: bringen Sie Qualität
rein. Das heißt: kurze, prägnante, wichtige Inhalte und Aussagen – und möglichst wenige
Zwinkersmilies! Am anderen Ende der Leitung sitzt ein echter Mensch, behandeln Sie ihn also
so wie im echten Leben!

Es ist entspannter und effizienter asynchron, also zeitversetzt zu kommunizieren. Erklärungen
können Sie als Text, Audionachricht oder Video verteilen. Auch die meisten Aufgaben und das
Feedback können auf diese Art erledigt werden.

Synchron kommunizieren bedeutet in der Regel eine Video- oder Audiokonferenz mit Zoom
oder Jitsi. Oder eine 1:1 Betreuung per Messenger oder gar Telefon. Nutzen Sie dies möglichst
punktuell, also wenn direkte Interaktion und Nachfragen wirklich wichtig sind.

Bei der Wahl des Kommunikationskanals orientiert man sich am besten an dem, was die Schule
bereits etabliert hat oder was die eigenen Schüler nutzen. Natürlich schauen Sie auch, mit
welchem Programm Sie sich wohl fühlen oder es schnell lernen können.

Die meisten Messenger wie WhatsApp oder Signal und die digitalen Pinnwände wie Zumpad
sind intuitiv in der Bedienung. Langfristig etabliert sich an Ihrer Schule dann vielleicht ein
anderes attraktives System zur Kommunikation.

Bei Fremdmaterial und sozialen Formaten setzen Sie am besten auf die bewährten Kanäle, die
die Schüler ohnehin nutzen, also Podcasts, Inhalte auf YouTube oder Instagram. Es gibt auch
schon richtig viel Material im Netz. Nutzen Sie es – natürlich
urheberrechtskonform.
 
Struktur und Methoden  
 
Jetzt aber mal Butter bei die Fische! Wie setze ich das um? Grundsätzlich sollte man digitalen
Fernunterricht nicht 1:1 wie Präsenzlehre abbilden. Verschiedene Modelle sind machbar, eine
feste Struktur sollte aber auf jeden Fall beibehalten werden. Dies kann zum Beispiel über
Messenger-Gespräche zu festen Zeiten an festen Wochentagen erreicht werden. So besprechen
Sie Abläufe und klären akute Fragen.
 
Bei der Strukturierung hat sich u.a. ein 4:1 Modell etabliert, das bedeutet, man verteilt z. B. am
Montag Material und Aufgaben und gibt den Schülern dann vier Tage zur Bearbeitung. Vor der
Abgabe, also Dienstag oder Mittwoch, sollte auf jeden Fall eine Besprechung stattfinden, damit
Fragen geklärt werden können. Übertreiben Sie nicht mit dem Material, asynchrones Lernen
nimmt viel Zeit in Anspruch!
 
Selbst- und Peerlernen: Digitales Lehren bietet Ihnen die Chance, sich pädagogisch
auszuprobieren. Versuchen Sie, die Selbstlernfähigkeit Ihrer Lernenden zu unterstützen. Junge
Menschen brauchen Anleitung und Lernpfade, müssen aber auch für sich entdecken, wie man
Informationen im Netz beschafft und richtig einordnet! Wenn Schüler gemeinsam ein digitales
Plakat oder einen Podcast erarbeiten, lernen Sie viel voneinander – unterstützen Sie das!
 
Synergie: Sie sind in diesem Kampf nicht alleine! Schließen Sie sich mit Kollegen kurz, jeder
Lehrende hat seine eigenen Stärken und kann Ideen und Material beitragen, das Sie dann
gemeinsam an die Schüler weitergeben können. Man kann hier gut miteinander kooperieren.
 


Prüfungen dürfen zur Zeit noch nicht digital durchgeführt werden. Sie können aber unbewertete
Umfragen oder Tests durchführen, um Lernerfolge zu dokumentieren. Dies geht z.B. per Quiz
oder Test über eine App oder Ihr Lernmanagementsystem. Alternativ können Sie Ihre
Lernenden bitten, sich wechselseitig Verbesserungsvorschläge und Anregungen zu ihren
Beiträgen zu geben. Diese können Sie dann analysieren und einstufen.

 

Werkzeuge und Plattformen 

Tools don´t make a teacher. Das heißt, ein schlechtes Konzept wird durch digitale Werkzeuge
nicht unbedingt besser. Aber: richtig eingesetzt können damit echte Lernerfolge erzielt werden.
Hier finden Sie eine Übersicht, von simpel bis komplex. Wichtig ist: zeigen Sie den Lernenden
und falls nötig deren Eltern wie es geht! Suchen Sie etwa: „Tutorial Padlet Schule“ auf Youtube
oder Vimeo und teilen es dann! Sprechen Sie sich auch mit Ihren Kollegen ab, im besten Fall
nutzen Sie alle die gleichen Werkzeuge.

E-Mail

Der älteste und für die meisten bekannteste digitale Kanal ist die E-Mail. Wenn Sie keine andere
Möglichkeit haben, versenden Sie Aufgaben mit klaren Anweisungen und Bearbeitungszeiten
an Ihre Lernenden. Im Notfall können so auch einfach die Adressen erfragt und Lernmaterial
per Post versandt werden.
Beispiel: G-mail, GMX, Hotmail

Messenger

Mit einem Messenger können Sie fast in Echtzeit mit Ihren Lernenden kommunizieren, auch in
der Gruppe. Beide Seiten können alle Nachrichten später wiederfinden und Erklärungen als
Audio oder Videonachricht auf dem Smartphone reproduzieren.
Beispiele: Whatsapp, Signal, TelegramThreema, Slack, Nextcloud Talk, Discord

 
Digitale Pinnwand

Ein praktisches Tool für die Kommunikation ist eine digitale Pinnwand. Sie posten auf einem
Notizblatt eine Nachricht oder Arbeitsanweisung und Ihre Lernenden können darauf Antworten
und Fragen posten. Das ist natürlich übersichtlicher als der Messenger, aber: idR können nur
Texte und Links geteilt werden.
Beispiele: Padlet, Zumpad, Telegraph, Trello
 
Cloudspeicher
 
Im Cloudspeicher können Sie Dokumente und Dateien hochladen und gemeinsam bearbeiten.
Wenn Ihre Lernenden kollaborativ an einem Dokument arbeiten sollen oder Sie viele Bilder,
Texte und Videos übersichtlich in Ordnern zur Verfügung stellen wollen, ist das eine gute
Lösung. 
Beispiele: Google-drive, MS-OneDrive, Dropbox, Nextcloud
 
Blogs und Webseiten

 

Wenn Sie eine Website oder einen Blog betreiben, können Sie dort Beiträge verfassen, Videos
verlinken und ihre Lernenden Kommentare verfassen lassen. Dies ist etwas komplexer, bietet
aber viele kreative Möglichkeiten für Ihre Lernidee.
Beispiele: WordPress (ggf. mit P2 Theme), Wix, Confluence
 
Lernmanagementsysteme
 
Lernmanagementsysteme sind sehr mächtige Werkzeuge und vereinen oft alle nötigen
Funktionen in einem geschlossene System. Das heißt, sie können am selben Ort Material teilen,
Nachrichten senden, Foren und Wikis anlegen und ihre Aufgaben sogar automatisiert bewerten
und dokumentieren lassen. Das ist natürlich etwas komplexer und man muss sich da erstmal
mit seinen Schülern reinfuchsen, aber falls Ihre Schule so etwas anbietet und sie fühlen sich
damit wohl, dann nutzen Sie es!
Beispiele: Edmodo, Moodle, Ilias, Google Classroom, Canvas
 
Extratipp: Viele L&L haben nur ein Smartphone zur Verfügung. Lassen Sie also testen, wie
Ihre Inhalte auf dem kleineren Bildschirm aussehen!
 
Links und Resourcen 

Zur Zeit kursieren eine Menge Material und Infos im Netz. Ganz schön schwierig, da den
Durchblick zu behalten. Wir haben eine Auswahl an übersichtlichen Angeboten
zusammengestellt und sie hier gesammelt:
 
www.lernentrotzcorona.ch
www.ich-lerne-online.org
www.bildungspunks.de
 
Bleiben Sie gesund!

Ihr nächster Schritt? Suchen Sie Hilfe? Ihre Ansprechpartner:

Mathias Klohn
Founder bei @DUCA
www.atduca.com

Dr. Anja C. Wagner
Geschäftsführung Frollein Flow
www.frolleinflow.com/